KZ-Gedenkstätte und Zeitgeschichtemuseum Ebensee

Denkmalenthüllung

Zu Ehren und Andenken der Insassen des ehemaligen
„Reichsstraßenbau Lagers Traunsee“ in Traunkirchen

 

Termin Dienstag, 12. November 2002, 15 Uhr
Ort 4801 Traunkirchen bei der Volksschule (Mitterndorf 10)
Programm
  • Begrüßung durch Bürgermeister Ing. Peter Aschenbrenner
  • Ansprachen
        1. Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde
    Dipl.-Ing. George E. Wozasek
        2. Vertreter der Botschaft der Russischen Föderation
        3. Vertreter des Landes Oberösterreich
  • Enthüllung des Mahnmals
  • Segnung
Musikalische Gestaltung Herwig Strobl (Violine)
Denkmalgestaltung Ferdinand Götz
Information und Kontakt
  • Gemeinde Traunkirchen,Tel.: 07617/2255
  • Zeitgeschichte Museum Ebensee, Tel.: 06133/5601

BM Peter Aschenbrenner

BM Peter Aschenbrenner vor dem noch verhüllten Denkmal

NR Matthias Ellmauer Dechant Franz Haidinger

NR Matthias Ellmauer

Dechant Franz Haidinger

Historischer Abriss („Lager Traunsee“)

„Am 11. ds. Monats (Juni 1940) sind 250 Juden aus Wien im Arbeitslager Traunsee angekommen, die bei Straßenbauten eingesetzt werden", meldet der Landrat des Kreises Gmunden.

Gedenktafel

Gedenktafel

Bis zum Abtransport der letzten jüdischen Lagerinsassen am 22. 9.1942 wurden insgesamt 476 Juden aus Wien zur Arbeit im Straßenbau in Traunkirchen und Umgebung gezwungen. Profiteure der Zwangsarbeit waren in erster Linie private Baufirmen (Preslicka&Co., Mayreder & Kraus, Wayss & Freytag).

Die Juden waren streng von den anderen Arbeitern separiert und waren durch gelbe Stoffflecken an der Oberbekleidung gekennzeichnet. Kontakt zur Zivilbevölkerung Traunkirchens war strengstens verboten.

Die Arbeitsbedingungen waren aufgrund mangelnder Arbeitsbekleidung und Schuhwerk als extrem hart zu bezeichnen.

Alle Lagerinsassen waren polizeilich gemeldet. Meldungen über Zugänge und Abgänge wurden in Listenform von der Lagerleitung an das Meldeamt der Gemeinde Traunkirchen übermittelt.

Im Jahr 2001 konnten sämtliche Meldelisten mit persönlichen Angaben der jüdischen Zwangsarbeiter aufgefunden werden. Nach dem September 1942 wurden bis auf wenige Ausnahmen alle Juden von Wien aus in die Vernichtungslager im Osten deportiert und dort ermordet. Anschließend diente das Lager als Unterbringungsort für russische Zwangsarbeiter.

Bis 2001 blieb die Existenz des „Arbeitslagers“ in Traunkirchen insbesondere im Ort ohne Erwähnung. Die Geschichte hatte das Schicksal der Menschen zugedeckt.

Das Mahnmahl

Ferdinand Götz

Ferdinand Götz

Das von Ferdinand Götz aus Bad Ischl entworfene Mahnmal stellt implizit das Verdecken des Vergangenen und damit auch des Gegenwärtigen und Zukünftigen zur Schau.

Eine Vierergruppe Sitzhocker; die Sitzflächen sind aus Glas gefertigt und bestehen aus jeweils 10 Schichten Glas. Zwischen diese Schichten, werden alle Namen, manche tiefliegend, andere nah an der Oberfläche, der im Arbeitslager Traunkirchen internierten Juden geschrieben stehen. Durch die verschiedenen Schichten entsteht eine Perspektive. Es wird damit anschaulich gemacht, wie der Mensch in der Geschichte vergeht, wie er vergessen wird, wie auch immer seine Lebensumstände ausgesehen haben mögen.

Was von Bedeutung ist: Die Hocker laden zum Sitzen. Doch im Hinsetzen decken wir automatisch zu, was einst ein Leben war, das zum vegetieren gezwungen wurde und der Vernichtung drohte. Und wer weiß, ob uns in Zukunft nicht auch ein ähnliches Schicksal droht? So sitzen wir in Unwissenheit, verdecken nicht nur Vergangenes, sondern auch die drohenden Gefahren der Gegenwart und der Zukunft.

Jeder Akt des „auf die Hocker Setzens“ ist ein verdeckender, ein Beispiel dafür, dass wir ohnmächtig im Unwissen besser leben zu glauben, doch erst im Aufstehen den Blick freibekommen auf das Vergangene, wie auch auf das Zukünftige.

Die Enthüllung

Unter Beisein des Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Linz DI Georg Wozasek, des Vertreters der Botschaft der Russischen Föderation, Oltn. Sobakin, dem Vertreter des Landes OÖ NR Matthias Ellmauer und dem Bürgermeister der Gemeinde Traunkirchen Ing. Peter Aschenbrenner fand die Enthüllungszeremonie statt. In seiner Ansprache betonte Präsident Wozasek, dass die in Traunkirchen internierten Juden "Österreichische Staatsbürger gewesen seien und nur deshalb verfolgt und ermordet wurden, weil sie Juden waren".

Denkmalenthüllung Oberstleutnant Sobakin

Dipl.-Ing. George E. Wozasek, NR Matthias Ellmauer,
BM Peter Aschenbrenner (v.l.n.r.)

Oberstleutnant Sobakin,
Vertreter der Botschaft der Russischen Föderation

Denkmal
Konzeption
und Gestaltung:
Ferdinand Götz
Roith 16
4820 Bad Ischl
Tel.: 06132/276 89
E-Mail: goetz.ferdinand@utanet.at
Initiative: Dr. Wolfgang Quatember
Zeitgeschichte Museum Ebensee
Kirchengasse 5
4802 Ebensee
Tel.: 06133/5601
E-Mail:museum@utanet.at

Denkmal

Namen auf dem Denkmal

Namen verleihen dem Denkmal einen persönlichen Charakter

Wir danken folgenden Personen
und Institutionen für die Förderung dieses Mahnmals:

Weitere Berichte über das Arbeitslager Traunsee

Zusammenfassung der bisherigen Recherchen und Dokumentenfunde
aus "Betrifft Widerstand, Folge 42/08/1998

Neue Forschungsergebnisse
aus "Betrifft Widerstand", Folge 52/03/2000

Jüdische Lagerinsassen des Reichsstraßenbau-Wohnlagers Traunsee
Namentliche Erfassung


Zwecks inhaltlicher Fragen wenden Sie sich direkt an das Zeitgeschichte Museum Ebensee.
Zwecks technischer Fragen wenden Sie sich bitte an das Web-Team von Ebensee.org.

Walter Aufrichtig - Traunkirchen Intro & Memorial Ceremony

Walter Aufrichtig - Trauinkirchen-2 List of Names

Walter Aufrichtig - Traunkirchen-4 George E Wozasek

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